Napisali o Wielkopolsce

Efekt wizyty studyjnej (25-28.05.2013) dziennikarzy z Niemiec

Nazwa

 

In Wanderstiefeln stempeln gehen
Die Wiederentdeckung des polnischen Jakobsweges
Von Dr. Bernd und Cecilie Kregel
 
 Der Pilgerpfad nach Santiago de Compostela präsentiert sich mit einem neuen osteuropäischen Teilstück.
Stempel können süchtig machen. Und dies zu einer Zeit, in der sie an europäischen Grenzübergängen fast völlig aus der Mode gekommen sind. Stolz hält Wanderführer Piotr Goralczyk während einer Wanderpause seinen Wanderpass empor, in dem es vor dekorativen Stempelmotiven nur so wimmelt. Freie Felder nur noch am unteren Rand. Und auch die scheinen schon darauf zu warten, die bisher erbrachte Wanderleistung auf dem großpolnischen Streckenabschnitt des Jakobswegs demnächst perfekt zu machen. 
Auf jenem Pilgerpfad, der sich weitab vom spanischen Zielort Santiago de Compostela in den zurück liegenden Jahren immer weiter in Richtung Osteuropa entfaltet hat. Besonders in der Woiwodschaft Großpolen (Wielkopolska), wo man sich vor wenigen Jahren mit gezielten Fördermaßnahmen der westeuropäischen Camino-Bewegung anschloss.
Erster Schritt vor der eigenen Haustür
Doch wirken die auf den sorgfältig aufgestellten Wegweisern angekündigten 3400 Streckenkilometer nach Santiago nicht bereits vor dem Start entmutigend? Dorfpfarrer Gregor Porzecki in der Kirchengemeinde Wydarlowo versucht zu beruhigen. Wichtig sei für ihn die Erkenntnis, dass auch ein langer Weg immer im Herzen beginne und mit dem ersten Schritt vor der eigenen Haustür anfange.
Motivierend wirkt zudem ein nur wenige Kilometer entfernter Aussichtsturm, von dessen oberer Plattform aus bereits die Türme der Kathedrale von Gnesen (Gniezno) am westlichen Horizont erkennbar werden. Jene Stadt, die als Krönungsort des ersten Königs auch in den Rang der ersten polnischen Hauptstadt erhoben wurde.
Nicht für jeden war dieser Sonderstatus der Stadt leicht zu ertragen. Hatte nicht auch Posen (Poznan) mit seiner St.-Peter-und-Paul-Kathedrale auf der Dominsel ähnliche Verdienste aufzuweisen? Denn auch hier fanden polnische Könige aus der Dynastie der Piasten ihre letzte Ruhe, woran deren  prachtvolle „Goldene Kapelle“ im Innenraum der Kathedrale jeden Pilger sogleich erinnert. Zumindest darf die Stadt den Titel der Hauptstadt von Großpolen führen und damit ihre wahre Bedeutung ins rechte Licht rücken.
Verkostung edler Liköre
Demgegenüber die ehrwürdige Benediktinerabtei in Lubin.  Hoch gelegen auf einem Hügel präsentiert sie sich bei der Anreise von Kunowo auf einer mit Muskelkraft angetriebenen Draisine. Das Kloster ist neben seiner die Sinne verwirrenden barocken Ausgestaltung im Inneren vor allem bekannt wegen seiner hervorragenden Liköre, die es hier mit ein wenig Glück in einem der holzgetäfelten Säle zu verkosten gibt. Ebenfalls die Sinne verwirrend?
Pater Patryk sieht darin kein Problem. Im Gegenteil! Denn auch bei einer Pilgerreise sollte seiner Meinung nach niemand die Gesundheit vernachlässigen und sich den Kräuterlikör nach Art des Hauses mit 21 verarbeiteten Kräutern zur besseren Verdauung gönnen. Eine Pilgerherberge, in der sich das Spirituelle auf einer gänzlich unerwarteten Ebene manifestiert!
Höhepunkt des Erlebens
Irgendwann ist dann mit Lezno die letzte Station des Jakobsweges in Großpolen erreicht. Und damit ein weiterer Höhepunkt des Erlebens. Denn nahe dem Marktplatz und damit direkt am Jakobsweg begegnet dem Pilger die in barocker Pracht ausgestaltete St. Nikolas Pfarrkirche, der soeben von Rom der Status einer „Basilica Minor“ zugesprochen wurde.
Abschließend noch schnell hinüber zum Rathaus, um die stolze Reihe der Stempelvermerke im Jakobs- Pilgerpass zu vervollständigen. Raum wäre noch genug für den folgenden Streckenabschnitt durch Niederschlesien bis hinüber nach Görlitz an der deutschen Ostgrenze. Wenn nicht jetzt, dann sicherlich später ein guter Anlass, um erneut mit Wanderstiefeln in Polen stempeln zu gehen.

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